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Andreas Fuls ist die Lösung eines minoischen Rätsels gelungen mit seiner Entzifferung der Phaistos-Scheibe, einer kretischen Hieroglyphen-Inschrift aus der Bronzezeit. Im Salon wird er am 22. Februar im Rahmen des 99. Salons seine Erkenntnisse mit uns teilen und verraten, wie ihm die Entzifferung methodisch gelungen ist.

Die minoische Kultur auf Kreta existierte um 2100-1420 v. Chr. und hinterließ hunderte von Inschriften auf Siegeln, Versiegelungen und anderen Artefakten. Die bekannteste Inschrift unter ihnen findet sich auf der Phaistos-Scheibe, einer kleinen Tonscheibe mit eingeprägten Zeichen auf beiden Seiten. Nachdem bisherige Forschungen zur Phaistos-Scheibe gescheitert waren, ist Andreas Fuls mit der erfolgreichen Entzifferung durch mathematische und statistische Methoden ein wichtiger Meilenstein für ein besseres Verständnis der minoischen Sprache und Kultur gelungen.

85% der Zeichen auf der Scheibe von Phaistos können nun mit hoher Sicherheit gelesen werden. Die entdeckten Lautwerte und Bedeutungen aller Zeichen wurden mit anderen Hieroglypheninschriften aus Kreta verglichen, was zu der Erkenntnis führte, dass die Phaistos-Scheibe sowohl zum Schriftsystem der kretischen als auch der luwischen Hieroglyphen gehört und die Texte in luwischer Sprache geschrieben sind. Die Scheibe von Phaistos und andere kretisch-luwische Hieroglypheninschriften können daher einem einheitlichen Sprachraum zugeordnet werden, der sich in der ägäischen Bronzezeit von Kreta bis Westanatolien erstreckte.

Ich freue mich schon sehr auf das Gespräch mit Andreas und Euch über diese Entdeckung!

Weitere Informationen über Andreas Fuls und die Enzifferung der Phaistos-Scheibe:

 

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie Berlin, wird uns im Rahmen des 98. Salons am Mittwoch, den 5. Februar 2020durch die von Yvette Deseyve kuratierte Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ führen.
Mir liegt die Sichtbarkeit großartiger Künstlerinnen sehr am Herzen, bei denen es keinesfalls an mangelnder Qualität und Strahlkraft ihres Werks liegt, vergleichsweise selten ausgestellt zu werden. So freut es mich, nach Salon-Führungen durch die Lotte Laserstein- und die Lee Krasner-Ausstellung in der Nationalgalerie anknüpfen und weitere in Vergessenheit geratene Künstlerinnen entdecken zu können:

Vor genau 100 Jahren konnten die ersten Frauen ihr reguläres Kunststudium an der Berliner Kunstakademie aufnehmen. Die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ nimmt dies zum Anlass, die Werke von Malerinnen und Bildhauerinnen in den Blick zu nehmen, die es trotz aller Widrigkeiten in die Kunstöffentlichkeit geschafft und Eingang in die Sammlung der Nationalgalerie gefunden haben.

Gelang zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch einigen wenigen Frauen eine exzeptionelle Karriere innerhalb eines vorwiegend männlichen Kunstbetriebs, so verschärften sich die Restriktionen für Künstlerinnen ab der Jahrhundertmitte. Der Zugang zu Kunstakademien, Stipendiensystemen und wichtigen Auftragsarbeiten wurde ihnen verwehrt. In ihrem „Kampf um Sichtbarkeit“ engagierten sie sich in künstlerischen Vereinigungen, erkämpften sich Ausstellungsmöglichkeiten und zunehmend auch die Aufmerksamkeit wichtiger Förderer sowie die damit verbundenen prestigeträchtigen Aufträge und Ankäufe.

Die Ausstellung zeigt über 60 malerische und bildhauerische Werke von Künstlerinnen aus 140 Schaffensjahren, die alle vor 1919 entstanden sind. Einige davon sind seit Jahrzehnten Bestandteil der Dauerausstellung wie die Gemälde von Caroline Bardua, Elisabeth Jerichau-Baumann oder Sabine Lepsius. Andere werden nach langen Jahren im Depot erneut in der Alten Nationalgalerie zu sehen sein, darunter Arbeiten der Porträt- und Historienmalerinnen Friederike O’Connell oder Paula Monjé. Ein großer Teil wurde noch nie in den Räumen auf der Museumsinsel präsentiert. Zahlreiche einst erfolgreiche Künstlerinnen sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, wie die norwegische Bildhauerin Ambrosia Tønnesen, die auch in den USA erfolgreiche Salonmalerin Vilma Parlaghy oder die russische Avantgarde-Pionierin Natalija Gončarova. In ihrer Vielfalt leisteten die Künstlerinnen einen wesentlichen Beitrag zum Kunstgeschehen ihrer Zeit.

csm_19_SMB_1019_ANG_Kuenstlerinnen_Lepsius_Selbstbildnis_1_xl_01041d816eSabine Lepsius, Selbstbildnis, Detail, 1885 © Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Weitere Informationen über die Ausstellung, Ralph Gleis und Yvette Desyve:

Im Rahmen unseres 97. Salons am Montag, den 20 Januar 2020 wird Brigadegeneral Gerhard Klaffus uns Einblicke in die Lage im Norden Afghanistans geben, wo er von August 2018 bis August 2019 in Masar-i Scharif als Kontingentführer des deutschen Einsatzkontingents und Kommandeur des Train Advise and Assist Command North der NATO Mission Resolute Support eingesetzt war.

Die Bundeswehr und andere internationale Truppen sind inzwischen seit annähernd 20 Jahren in Afghanistan im Einsatz, was immer wieder kontrovers diskutiert wird. Dementsprechend schätze ich die Möglichkeit sehr, uns im Salon persönlich mit Gerhard Klaffus darüber austauschen zu können und durch ihn aus erster Hand von der Situation vor Ort erfahren zu können.

Vor seinem Einsatz in Afghanistan war Gerhard Klaffus von 2015 bis 2018 Verbindungsoffizier bei den Bundespräsidenten Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier. Im Jahr 2020 wird er an die Deutsche Botschaft in Paris wechseln.

Weitere Informationen über Gerhard Klaffus:

Gerhard Klaffus

 

 

Unser 96. Salon am Samstag, den 11. Januar 2020 führt uns nach Frankfurt am Main zu einer Führung durch die Ausstellung zum Werk Lee Krasners – der Pionierin des abstrakten Expressionismus. 

Es ist kaum zu glauben, dass 50 Jahre vergehen mussten, bis das Werk Lee Krasners nun wieder in einer Retrospektive in Europa zu sehen ist. Tief beeindruckt bin ich von den Arbeiten dieser mir bis dahin unbekannten Künstlerin, die lange Zeit im Schatten ihres Ehemanns Jackson Pollock stand und als eine der unbeirrbarsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gilt. Anders als andere Künstler ihrer Zeit, die ebenfalls ungegenständlich malten, entwickelte Krasner bewusst nie einen „signature style“, sondern folgte dem Anspruch, ihre Bildsprache immer wieder neu zu erfinden.

Neben ihren farbgewaltigen großen Leinwänden sind ihre zarten Gouachen eine besondere Entdeckung für mich.

Lee Krasner, Combat, 1965, 179 × 410,4 cm, National Gallery of Victoria, Melbourne, Felton Bequest, 1992 (IC1-1992). © VG Bild-Kunst Bonn, 2018 & The Pollock-Krasner Foundation/ ARS, New York. Licensed by Copyright Agency, 2018 (Kunsthalle Schirn, Frankfurt am Main).

 

Weitere Informationen über Lee Krasner:
Lee Krasner in der Schirn Frankfurt

 

Der Politikwissenschaftler und Historiker Götz Aly spricht mit uns im Rahmen des 95. Salons am 11. Dezember 2019 über den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Essayisten Siegfried Lichtenstaedter, dessen wichtigste Texte Götz Aly mit begleitenden Essays herausgegeben hat (S. Fischer, 2019):

»Als aktiver Beamter, noch dazu Jude« veröffentlichte Lichtenstaedter (1865-1942) seine mit jüdischem Witz verfeinerten Geschichten und Prognosen unter Pseudonymen. Früh erkannte er die Gefahren des leisen, jedoch hinterhältigen deutschen Antisemitismus und des allgemeinen, oft unvermutet hervorbrechenden Minderheitenhasses.

Heute drängen lange verdeckte ethnische und religiöse Konflikte wieder auf die politische Tagesordnung, was Götz Aly motivierte, wichtige Essays Lichtenstaedters auszuwählen und wieder zugänglich zu machen. Denn sie lesen sich, als seien sie gestern für uns Heutige geschrieben.

Weitere Informationen über Götz Aly und sein aktuelles Buch:

am 9. November 2019 werden exakt 30 Jahre seit dem Berliner Mauerfall vergangen sein. Wir nehmen dieses denkwürdige Datum zum Anlass, uns im Rahmen des 94. Salons in einer sehr interessanten Runde aus verschiedenen Perspektiven an die Ereignisse des 9. November 1989 zu erinnern:

Christa Stark war damals in Ost-Berlin parteilos tätig in der zentralen Verwaltung der Deutschen Reichsbahn im Ministerium für Verkehrswesen und engagiert in der evangelischen Kirche. Nur wenige Straßen entfernt setzte sich der Autor Olaf Georg Klein, Waffendienstverweigerer und lange engagiert in der Friedensbewegung, im Sprecherrat des „Neuen Forum“ aktiv für politische Veränderungen ein. Lars Bösel war damals als junger Berufstätiger in seiner Gemeinde in Oberschöneweide um den Pfarrer Erich Busse aktiv – auf der Suche, Wege zur Reformierung der DDR zu finden. Geografisch weit entfernt im Bonner Ministerium für Wirtschaft war Max Dehmel, zugleich den Geschehnissen aber auch sehr nah aufgrund seiner engen Vernetzung nach Ost-Berlin seit seiner Zeit als Leiter der Wirtschaftsabteilung in der „Ständigen Vertretung der Bundesrepublik bei der DDR“ von 1979-84.

Unser Vorgespräch zu diesem Salonabend war sehr anregend aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven und zugleich vielfältigen Verbindungslinien zwischen Christa Stark, Max Dehmel, Olaf Georg Klein und Lars Bösel, obwohl die vier sich damals noch nicht persönlich kannten und erst Jahrzehnte später im Salon begegnet sind.

Wir freuen uns gemeinsam sehr auf das Salongespräch zum Mauerfall am 9. November und sind gespannt auf Eure persönlichen Erinnerungen an die damaligen politischen Ereignisse! Vielleicht hat der eine oder andere ja auch Tagebuchaufzeichnungen aus der Zeit. Denn entstanden ist die Idee zu diesem Salon aus dem Abend zum Thema „Tagebuchschreiben“ mit Olaf im Juni.

Weitere Informationen zu Christa Stark, Lars Bösel, Max Dehmel und Olaf Georg Klein:

Hans-Peter Zorn, verantwortlich für Machine Perception & Artificial Intelligence bei dem IT-Dienstleister inovex, wird mit uns im Rahmen des 93. Salons am Samstag, den 26. Oktober 2019 in Düsseldorf die spannende Frage diskutieren: Wie intelligent ist künstliche Intelligenz wirklich?

Die öffentliche Debatte rund um dieses Thema bewegt sich zwischen Extremen – von der Schreckens-Vision, zukünftig als Menschen von Maschinen mit entwickeltem Bewusstsein beherrscht zu werden bis zu euphorischen Szenarien einer besseren Welt durch die Lösung vieler heutiger Probleme Dank uns überlegener Maschinen-Intelligenz. Wie kommt es zu so unterschiedlichen Perspektiven? Wie ist die Faktenlage? Und noch grundlegender: Wie definiert sich künstliche Intelligenz? Wovon sprechen wir eigentlich?

Ich weiß die Chance sehr zu schätzen, mit Hans-Peter Zorn als Entwickler über diese Fragen sprechen zu können, und freue mich sehr auf die Diskussion.

Weitere Informationen zu Hans-Peter Zorn: